3. Tag
Jeremy Clarkson hat recht!!!
Was für ein Tag!
Wir frühstücken in unserem Hotel und kamen dabei zum Ergebnis das Rumänien keine Kaffekultur hat, der Kaffee war auf der Skala von „Sehr gut“ bis „beschissen“ auf jeden Fall näher an „beschissen“.
Das tat unserer Laune aber keinen Abbruch, dafür war das Rührei bestens.
Das Wetter, dass sich diesmal an den Wetterbericht hielt, und Regen abfeuerte verdross uns auch nicht.
So machten wir uns auf den Weg zum nahen Eingang des Fagarasch Passes, also dem Zweck der Unternehmung.
Sobald die Gegend etwas anstieg, änderte sich die Landschaft, es wurde wilder, urwüchsiger.
Der Pass legte sofort mit reichlich Serpentinen los. Leider betrug die Sicht nur einige hundert Meter, aber man erahnte die großartige Landschaft. Es ging vorbei an mächtigen Felsen, Sturzbächen direkt an der Straße und riesigen Brocken die zum Teil an der Straße lagen, manchmal auch auf der Straße! Anscheinend fährt ein Typ mit einem großen gelben Radlader den ganzen Tag den Pass von einem Ende zum anderen und schiebt die größten Felstrümmer aus dem Weg! Das stimmt wirklich, ich erzähl keinen Scheiß, Manni kann das bestätigen!
In Gipfelnähe gab es einen durch den Berg getriebenen Tunnel, kaum beleuchtet, in dem der Rommel mal so richtig losröhren durfte. Auf der anderen Seite wurde die Sicht merklich besser und gab den Blick frei auf steile Hänge mit Schafen und Schäfern, reissende Gebirgsbäche und mächtige Geröllhaufen.
Und Kurven über Kurven, Schleifen, Schikanen, alles was den alten Spinner Clarkson so jubilieren lies.
Ab und an gab es Überbauungen an gefährdeten Stellen, also seitlich offene Tunnel unter denen Schafe und Ziegen vor dem strömenden Regen Schutz suchten. Wir begegneten kaum jemanden, aber alle freuten sich über das sonderbare Auto das da herumgurkte.
Irgendwann fanden wir ein überdachtes Plätzchen, bestellten uns wieder einen miesen Kaffee bei netten Leuten, und machten uns über die mitgebrachte Salami und das Oberfränkische Brot her. Stilecht mit Holzbrett und großem Messer.
Dort hielten auch gleich einige tschechische Biker um den Rommel zu fotografieren. Sie erzählten uns, dass sie auf einer wirklich langen Tour durch Ungarn, Rumänien, Serbien, Albanien und Slowenien seien. Sie hätten noch 4 Wochen vor sich! Sie ließen sich, genau wie wir, nicht vom Wetter unterkriegen.
Irgendwo bin ich dann noch beim rückwärts ausparken gegen einen Leitplanken-Pfosten gedonnert und hab mir dabei das rechte Rücklicht lädiert.
Naja, irgendeine Feldreparatur muss immer sein. Panzertape hats gerichtet.
Es ging weiter talwärts, an einem großen Stausee entlang.
Am Ende des Sees, an der beeindruckenden Staumauer hielten wir für Fotos.
Direkt neben der asphaltierten Straße war ein großes Loch in den Felsen gebohrt. Tunnel ist irgendwie nicht das richtige Wort, aber darum handelte es sich wohl. Es gab Schilder auf rumänisch die wir nicht zu deuten wussten.
Ein Einheimischer löste das Rätsel. Er deutete auf die asphaltierte Straße und meinte: „for normal cars“. Er zeigte zum „Tunnel“ und sagte:“ offroad, only offroad cars“.
Wir meinten, „ok, that‘s an Offroad car we’ll take the tunnel“
Als der Rumäne das begriff hat er uns mitleidig angesehen als seien wir vollkommen irre!
Der Weg entpuppte sich als ein von Forstmaschinen zerpflügter und von Pfützen übersähter Pfad, den ich ohne Manni wohl nicht zu ende gefahren wäre. Zu zweit haben wir das durchgezogen!
Sollten die Videos gut geworden sein gibt es die bald zu sehen. Das Fahrwerk konnte dort auf jeden Fall beweisen das es für härtere Bedingungen gemacht ist, als ich ihm bisher abverlangt habe.
Ok, wir haben den See dann also einmal komplett umrundet und landeten wieder auf dem Pass, den wir nun in Gegenrichtung noch einmal überquerten. Die Sicht wurde noch ein wenig besser und lies wiederum die spektakuläre Umgebung mehr als erahnen. Hier müssen wir unbedingt noch einmal hin. Wäre für morgen sonniges Wetter zu erwarten hätten wir noch einen Tag hier verbracht. Leider ist das nicht der Fall.
So fassten wir bei einem weiteren mittelmässigen Kaffee in VESTEM den Entschluß uns in Richtung Westen zu bewegen und dann in weiteren anderthalb Tagen nach Hause zu kommen.
Wir kamen letztendlich bis zur alten Festungs- und Grenzstadt ARAD in der wir im dortigen „Best Western“ eincheckten. Wer mag kann sich mal die Festung in GoogleEarth ansehen und überlegen wieso sie diesen sonderbaren Grundriß hat.
Mein Kopf ist noch voller Eindrücke von einem phantastischen Tag. Habe gerade festgestellt das wir heute 13 Stunden unterwegs waren und etwa 512 Kilometer zurückgelegt haben.
Morgen wollen wir Ungarn durchqueren und irgendwo in Österreich ein letztes Mal übernachten.

Anmerkung: Die Sprinter Fahrer in Rumänien sind alle samt und sonders vollkommen irre Psychopathen.

Anmerkung 2: Die Hälfte der LKW Fahrer sind ebenfalls wahnsinnig.

Anmerkung 3: Es gibt hier einen Busfahrer den man so schnell wie möglich einfangen, einsperren, und nie wieder raus lassen sollte!!!!! NIE WIEDER!!!!’

Eindrücke:

Tag 5

Wieder im Lande!!

Die Rückreise war relativ unspektakulär, darum gibts nur wenig zu berichten.
Morgens drehten wir noch eine kleine Runde zu Fuß durch Arad, eine wirklich tolle historische Stadt, in der man den Prunk vergangener Zeiten noch gut spüren kann.
Wer sowas mag sollte Arad bei Gelegenheit einen Besuch abstatten.
Ziemlich verblüfft war ich, als ich bemerkte das viele Türsteine, und Gebäudesockel mit einem mir wohlbekannten Stein verkleidet waren: „Deutsch-Rot“ oder auch „Horwagener Marmor“ genannt.
Der Stein der aus dem stillgelegten Steinbruch stammt in dem ich wohne!!!
Werde die alten Versandpapiere mal durchsehen ob ich dazu was finden kann.

Wir entschlossen uns auf der Höhe von Budapest noch einmal Richtung Südwesten abzubiegen und einen Kumpel von Manni in Slowenien zu besuchen.
Die Fahrt zog sich ein wenig langweilig und endlos dahin, Ungarn ist, von der Autobahn aus betrachtet ein wenig zu öde für meinen Geschmack.
In Slowenien gabs endlich wieder eine interessantere Landschaft zu sehen, gegen Abend landeten wir dann in einer sehr heimeligen und blitzsauberen Pension.
Wir hatten keine große Lust noch herumzufahren, also zogen wir mit Mannis Kumpel zu einem urigen Gasthaus um dort Fisch zu essen.
Das Restaurant war am Fluß gelegen, mit eigenem Gemüsegarten und machte einen prima Eindruck.
Auf der Karte stand neben verschiedenen Fischen auch Huchen.
Huchen??? Der Huchen ist ein Fisch den man eigentlich nur aus Büchern kennt, dort stand der auf der Speisekarte!?!
Anscheinend hat es ein Einheimischer irgendwie geschafft Huchen zu vermehren und aufzuziehen.
Ok, also haben wir uns zu dritt einen etwa 60 cm langen Huchen bestellt.
Schmeckte lecker, ähnlich wie Forelle, und war köstlich zubereitet. Und alle wurden satt, mehr als satt!

Samstags gings noch über den Wurzenpass, der keine Chance gegen den Fagarasch hat, und dann wieder auf die Autobahn heimwärts.

Rumänien, insbesondere die Gegend um Hermanstadt hat alles um einmal viele Touristen anzulocken. Man sieht auch schon die Anfänge davon.
Wer die Karpaten noch in der jetzigen, kaum erschlossenen Version sehen will sollte unbedingt dorthin reisen.
Es gibt keinen Grund sich zu fürchten, Vampire gibt es in Wirklichkeit nicht!
Es lässt sich an vielen Stellen eine vertrauenswürdige und brauchbare Unterkunft finden, viel Planung ist also nicht nötig.
Ich werde auf jeden Fall bei besserem Wetter noch einmal den Fagarasch bezwingen!

Leider hab ich nur wenige verregnete Bilder. Wer sich für den Fagarasch interessiert möge bei Google oder Youtube danach suchen, da gibts fantastische Aufnahmen.

Der Trip ging etwa über 3500 Kilometer, ich hatte vorher noch einen Ölwechsel gemacht. Zuhause zeigte sich am Ölmessstab kein sichtbarer Verbrauch. :D

Nasses, kurzes Video:

Rommel in Rumänien. Tag 3-5

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